Film: Die Tribute von Panem – The Hunger Games

Umsetzung und Schauspieler haben’s geschafft

4,5 von 5 Sternen

Nach einer Reihe guter Meinungen von Bekannten, die entgegen ihren negativen Erwartungen den Film als gut bewertet haben, wurde ich doch überzeugt, ihn mir selbst ebenfalls anzuschauen. Neugierig war ich ohnehin und der Trailer hat auch viel versprochen – was meistens normalerweise bedeutet, dass man enttäuscht wird. Aber das ist hier tatsächlich mal nicht so.

Die Hungerspiele haben genau das wiedergespiegelt, was auch in den Büchern deutlich wird und die Umsetzung hält sich sehr nah am Buch. Was letztendlich den entscheidenden Punkt ausgemacht hat, dass der Film funktioniert, waren die hervorragenden Leistungen jedes einzelnen Schauspielers, die ihre Parts überzeugend herübergebracht haben. Obwohl ich im Vorfeld skeptisch war, weil ich mich nicht ganz mit dem Cast einiger Personen anfreunden konnte, bin ich im Nachhinein doch sehr überrascht, dass mich diese hier eines anderen belehren konnten.

Was ich sehr interessant, originell und gut gewählt fand, war dass größtenteils im Film auf Hintergrundmusik verzichtet wurde. Nur an entscheidenden Stellen unterstreicht sie die jeweilige Szene und bekommt dadurch den doppelten Effekt, sodass es noch tiefer auf den Zuschauer einwirkt. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass mehr Aufmerksamkeit auf die Protagonisten gelenkt wird, wodurch diese natürlich noch mehr überzeugen müssen – und das haben sie mit Bravur gemeistert. Es gab eine Stelle (die sich wohl jeder denken kann), an der mir wirklich die Tränen gekommen sind, obwohl ich das weder beabsichtigt noch erwartet habe.
Durch diesen effektiven Einsatz der Musik und der wirklich guten Kameraführung kamen mir viele Szenen viel intensiver vor. Das ist mir vor allem bei den brutalen Kämpfen aufgefallen. Eigentlich wurde nichts zu deutlich gezeigt und auch die Anzahl an diesen hält sich gering. Dennoch war man irgendwie ein bisschen geschockt.

Auch die sogenannte “Liebesbeziehung” kommt genau so herüber, wie es beabsichtigt wird. Jennifer Lawrence hat ihre Rolle in dieser Hinsicht so hervorragend umgesetzt, dass man ihr die Zuneigung und sich entwickelnde Liebe zu Peeta wirklich als das abkauft, was es denn auch ist: aus der Not und Verzweiflung heraus geschauspielert, um sich beide zu retten.

Durch das abwechselnde Hin und Her zwischen rasanten und langsamen Szenen hatte man zeitweise das Gefühl, der Film hätte ein paar Längen. Im Grunde jedoch waren es nur viele kurze Szenen nacheinander, die vor allem diverse Details, die wichtig für das Verständnis sind, wiedergegeben haben.

Für Leute, die die Bücher nicht kennen, mag das Ende vielleicht seltsam sein, hat es doch nicht das gewohnte HappyEnd-Feeling. Der Anfang hin zum Spannungsaufbau über das Finale bis hin zum Ende gleitet fließend ineinander über, sodass das Gesamtbild irgendwie einen harmonischen, gleichmäßigen Fluss ergibt (irgendjemand, der das jetzt verstanden hat? ^^ Ich drücke mich bei so was immer seltsam verworren aus). Vielmehr kommt die nicht endende Kritik an der uns so bekannten Gesellschaft zum Tragen, und verdeutlicht gleichzeitig den langen und nicht ohne weitere Opfer bringenden Weg zur Veränderung – schwankt doch eine Menge Unheil in den letzten Szenen mit.

Alles in allem finde ich diese Buchverfilmung mehr als gelungen, die Problematik und die Atmosphäre der Bücher kommen toll zur Geltung und vor allem die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin der Katniss Everdeen hat mich beeindruckt.

Ich bin mir sicher, dass Lionsgate die Fortsetzung bereits in Auftrag gegeben hat und bin gespannt auf den 2. Teil.

P.S. Habe ich schon erwähnt, wie wunderbar die rar gesähte Filmmusik den Film unterstützt? ;)

Edit:
Und da ja alle Welt die Kameraführung kritisiert: Dass das ein absichtliches Stilmittel des Regisseurs ist, um Katniss’ Ohnmacht gegenüber dieser Extremsituation, die sie vollkommen überfordert, darzustellen, scheint nicht jedem klar geworden zu sein. Ross hat bewusst versucht, den Film aus ihrer Sicht zu drehen. Würde man die beeindruckenden Kulissen durch scharfe Bilder allein wirken lassen, hätte es einfach nur den Effekt, dass Katniss beeindruckt wäre. Dabei würde aber völlig außen vor gelassen, dass es ihr im Grunde eigentlich Angst macht, wie unterschiedlich die beiden Welten sind. In kürzester Zeit prallen so viele verschiedene und neuartige Eindrücke ein, gleichzeitig hat sie ständig vor Augen, dass ihr Leben bald endet und dass sie nichts weiter ist als eine Schachfigur, dessen Ableben niemanden interessiert, ja es gar von einem Teil bejubelt wird, mit dem sie keinerlei Verbindungen hatte, bis sie an den Spielen teilnimmt. Sie hat überhaupt keine Zeit, das alles sacken zu lassen und zu verarbeiten, sie wird von einem Extrem ins nächste geschubst. Dass ihr da mehr als einmal der “Kopf schwirrt”, ist aus meiner Sicht nachvollziehbar und deshalb bin ich auch der Meinung, dass Ross das in dem Film wunderbar herüber gebracht hat.

  • Twitter
  • Facebook

Film: Brautalarm

Provokant, vulgär, aber überzeugend

4 von 5 Sternen

Gleich vorweg:
Wer nur auf seichte Liebeskomödien mit harmlosem Humor steht, sollte sich den Film besser nicht anschauen. Definitiv steht fest, dass man “Brautalarm” nicht ohne weiteres in diese Kategorie stecken kann.

Mir persönlich gefällt gerade deshalb dieser Film. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, und mal ganz ehrlich. Frauen mögen nach außen hin versuchen, ihre unschönen Seiten zu verstecken, aber bis auf das Geschlecht sind wir doch im Grunde genauso wie die Männer. Die einen mehr, die anderen weniger, manche bewusst, andere unbewusst. Dass der Film hier nichts verschönt, macht ihn gerade besonders. Wir sind alle irgendwo vulgär, nur zeigt das eben nicht jeder.
Aber darum geht es im Film eigentlich nicht. Es geht um zwei beste Freundinnen, von denen die eine einen neuen glücklichen Lebensabschnitt beginnt, während die andere so ziemlich nichts festes momentan in ihrem Leben hat. Und die einzige feste Konstanze, ihre beste Freundin, gibt ihr auch noch das Gefühl, durch eine neue (bessere) Freundin ersetzt zu werden. Ein altbekannter Konflikt, der hier aber unterhaltsam verarbeitet wird.
Nicht nur gibt es eine Menge Gags, die noch unverbraucht sind und für viele Lacher und “wtf?!”-Momente sorgen, es ist vor allem auch die schauspielerische Leistung der sechs Mädels, die Braut und Brautjungfern verkörpern, die hier auf ganzer Ebene überzeugen. Es wird nichts so sehr überzogen, dass es unglaubhaft wirkt. Im Gegenteil. Ich war beeindruckt von der Tiefe der wirklich ernsthaften Szenen. In den meisten Komödien können mich vor allem Momente, in denen der Film ernst wird und einer der Hauptdarsteller bsp-weise einen Wutausbruch bekommt, nicht mehr mitreißen. Bei “Brautalarm” war das anders. Ich hab in solchen und ähnlichen Szenen mitgefühlt und konnte sowohl die eine als auch die andere Seite verstehen.

Vorhersehbar ist auch dieser Film, eben genauso wie alle anderen Komödien es letztendlich sind. Und auch hier scheint der glückliche Typ, der nette, weniger gutaussehende Nachbar von nebenan zu sein. (Was nicht heißt, dass der Kerl in diesem Film hässlich ist. Er ist halt durchschnittlich. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Ich glaube, was mir mit am meisten an diesem Film gefallen hat, war dass allesamt eher eine Art Durchschnittsaussehen besaßen. Keine von ihnen war besonders hübsch und konnte gut als die Nachbarin von nebenan durchgehen.)

Fazit: Ein Film, der seinen Plot auf den Punkt bringt, überzeugt und trotz seines provokanten Humors nicht an Unterhaltungswert verliert.

  • Twitter
  • Facebook

Dark Love – Lia Habel

So gerne hätte ich 5 Sterne vergeben.

4 von 5 Sternen

Wirklich, bevor ich das Buch durch hatte, noch bevor ich überhaupt die Hälfte durch hatte, hätte ich dem Buch sofort 5 Sterne gegeben. Und ich würde es auch jetzt noch wirklich gern tun, aber leider sind letztendlich doch ein paar Dinge auffällig, die ich da einfach nicht ignorieren kann, auch wenn das nichts daran ändert, dass ich das Buch immer noch toll finde. Aber fangen wir mit dem Anfang an.

Der Prolog versetzt einen sofort ins Geschehen, man wird mitgerissen, hat die Angst förmlich vor Augen, kann sie spüren und leidet mit der Figur mit. Sofort spürt man das Unheil, das daraus brodelt.
Und dann fängt das erste Kapitel an, welches aus einer anderen Perspektive beginnt und noch rein gar nichts mit dem Prolog zu tun hat. Diese Perspektivenwechsel ziehen sich durch das gesamte Buch und es gibt insgesamt fünf davon. Anfangs hat mit das nicht sonderlich gestört, erst zum Ende hin war es ein bisschen nervig, da sich alles irgendwann gleich angehört hat und man dadurch immer wieder durcheinander gekommen ist, aus welcher Sicht man denn nun liest. Genau genommen hat das ab einem bestimmten Kapitel angefangen, wo sich die meisten der Perspektivenwechsler getroffen haben, und gedanklich – obwohl sie sich noch nie gesehen haben – die Handlungen der anderen mit deren Vornamen beschrieben haben, als würden sie sich bereits seit Jahren kennen. Das war irreführend, vor allem wenn man an die neuviktorianischen Verhaltensweisen denkt.

Und da kommen wir auch schon zu der Welt, die die Autorin geschaffen hat – und von der ich hellauf begeistert bin. Die Art und Weise wie man gleich zu Anfang erklärt bekommt, was geschichtlich alles in den letzten 200 Jahren passiert ist, wie sich die Welt neu geordnet und entwickelt hat, wird gut vorstellbar und kein bisschen langweilig erklärt. Im Gegenteil, man ist regelrecht fasziniert von den geschichtlichen Daten, vor allem, weil es sich wirklich so zutragen könnte. Interessant ist, dass sich die viktorianische Gesellschaftsform durchgesetzt hat, in der es vor allem um Etikette, Benehmen und Wohlstand geht, und in der es vor allem für die Frauen in den oberen Schichten nichts wichtigeres gibt, mittels Heirat einer guten Partie immer noch ein Stückchen weiter die gesellschaftlich-politische Leiter hinaufzuklettern (wer sich nichts darunter vorstellen kann, sollte an Filme wie “Sherlock Holmes” oder “Jane Austen” denken, das müsste dieser Zeitepoche ungefähr nahe kommen), um mehr Ansehen zu genießen. Das zusammengewürfelt mit technologischem Fortschritt ergibt ein recht unterhaltsames und faszinierendes neues Gesellschaftsbild.
Im krassen Gegensatz dazu stehen die (Steam-)Punks, die sich dem technologischen Fortschritt rebellisch entgegensetzen.

Was mir vor allem gefallen hat, ist der Schreibstil der Autorin, deren Sätze und Beschreibungen nicht zu kompliziert aber auch nicht zu simpel gehalten sind. Sie schafft es, durch ihre Schreibe die Atmosphäre der Zeit einzufangen und den Leser eintauchen zu lassen, wodurch selbst das Auftauchen der Zombies kein bisschen seltsam wirkt. Demnach ist die Übersetzung wirklich gelungen, nur bei ein paar Sätzen hatte ich das Gefühl, dass man den Witz nur im Englischen erkennt.

Die Ursache der Zombies wurde nachvollziehbar und logisch erklärt und gibt einem tatsächlich das Gefühl, dass das wirklich mal passieren könnte – betrachtet man mal unseren medizinischen Fortschritt und die damit zusammenhängende Entstehung neuer Krankheiten.

Was ich an dieser ungewöhnlichen Liebe zwischen den beiden Hauptcharakteren interessant finde, ist, dass man ständig vor Augen hat, wie zerbrechlich ihr Bund doch ist. Vor allem anfangs kam es mir unmöglich vor, weil ich bei dem Wort “Zombie” ständig das Gefühl hatte, dass ihn die kleinste Berührung zerfallen lassen könnte, dass seine Haut von den Knochen rutscht etc. Kein schöner Anblick, aber wer zu zimperlich ist, sollte das Buch eh nicht lesen. Diese Angst hat sich während des Lesens aber ein bisschen gelegt. Nicht ganz, aber genug, um mir die Entwicklung dieser Liebesbeziehung gut vorstellen zu können.

Apropos Liebe, kurz was zum Cover. Eigentlich toll gestaltet, auch wenn ich das Herz ein wenig kitschig und den Titel einfach unmöglich finde. Der ist einfach zu emolastig. Wenn die Verlage den englischen Titel schon ändern, dann in diesem Falle doch bitte lieber einen deutschen, als nur das Englische auszutauschen. Andernfalls hätten sie nämlich genauso gut den Originaltitel (“Dearly, Departed”) beibehalten können. Aber dafür kann das Buch ja nichts.

Gut gefallen haben mir auch einige der Wortwechsel zwischen einigen Personen, gab es doch viele Stellen, bei denen ich herzhaft auflachen musste.
Die Zombiefreunde des männlichen Hauptcharakters wirken typisch Teenie-Zombiehaft, wie Walt Disney sie vielleicht kreiieren würde, aber es wird nicht übertrieben dargestellt und wirkt immer noch glaubhaft. Es ist einfach die Tatsache, das alle guten Zombies dort trotz ihres Zerfalls ihre Menschlichkeit bewahren, dass das Ganze so abstakt wird (im guten Sinne).

Ein kleines Manko war die Entwicklung, oder eben Nicht-Entwicklung einiger Nebencharaktere. Noras Vater zum Beispiel. Meinetwegen kann er ein herzensguter Mensch sein, doch leider wurde das im Buch für meinen Geschmack doch leicht übertrieben, sodass er fast schon wie eine Art leuchtender Messias wirkte. Ansonsten ist mir die fehlende Tiefe der Charaktere vor allem bei den Bösewichten aufgefallen, welche von der Autorin doch wirklich ein bisschen zu naiv dargestellt wurden. Auch jeder Bösewicht hat seine Ecken und Kanten und kann nicht einfach in einer der Schwarz-Weiß-Kategorien gesteckt werden. Denn ganz ehrlich, jemand kann noch so schlecht sein, aber welcher Bösewicht erklärt seinen Plan auch noch ausführlich, wenn sein Leben gerade auf Messers Schneide steht (selbst wenn das nicht mal der Fall ist)? Da kann er noch so stolz auf sich und seine Idee gewesen sein. Natürlich hatte dieser Chara auch seine guten Momente, die ich hier allerdings nicht näher erklären kann, ohne zu spoilern.
Ähnlich ging es mir auch mit einem der Randcharaktere, dessen Absichten anfangs zwar deutlich waren, bei dem ich am Ende aber davon ausgegangen war, dass er sich aufgrund der Situationen geändert hätte. Und dann war das doch nicht der Fall und er erklärt sich auch noch auf eine Weise, die ihn wirken lässt, als könne man die Menschen allesamt tatsächlich in Schwarz und Weiß aufteilen.

Alles in allem sind es trotzdem nur wenige Dinge, die mich ein bisschen gestört haben und über die man letztendlich hinwegsehen kann, der Rest des Buches hat das alles wieder wett gemacht.

Grob gesehen war das Ende von Anfang an deutlich, auch wenn man nicht weiß, auf welche Weise es passiert, aber die unheilschwangere Atmosphäre zieht sich eben durchs gesamte Buch. Mit ein paar Dingen hatte ich dennoch nicht gerechnet, die im Endeffekt aber durchaus logisch sind, denn der Mensch ist einfach unverbesserlich.

Im Großen und Ganzen bin ich immer noch begeistert von diesem Buch und würde es wieder lesen. Witzigerweise, wenn ich das Buch mit etwas anderem vergleichen sollte, würden mir auf Anhieb Resident Evil, Nightmare Before Christmas und Sucker Punch dazu einfallen. Irgendwie hat es von allem ein bisschen.

Teil 2 kommt im Englsichen bereits dieses Jahr im Spetember, also wird der deutsche hoffentlich auch nicht allzu lang auf sich warten lassen :’)

  • Twitter
  • Facebook

Touched 1: Der Preis der Unsterblichkeit – Corrine Jackson

Touched – aber auf welche Weise?

(Rezension vom 15. März 2012)
3 von 5 Sternen

In Zukunft sollte ich solche Bücher womöglich meiden, aber leider kann man anhand der Zusammenfassung nicht immer erkennen, welche Art Buch man erwischt. Im Endeffekt war ich froh, als ich endlich damit durch war. Es war nicht so schlecht, dass ich mittendrin aufgehört hätte, aber auch nicht so gut, dass ich am Ende mit einer Sehnsucht, mehr darüber zu lesen, sitzen geblieben bin. Deshalb bin ich mir auch unsicher, ob ich mir Ende des Jahres überhaupt den zweiten Teil holen soll.

Zwischendrin hab ich wirklich überlegt, ob ich dem Buch evtl sogar 4 Sterne gebe, letztendlich haben sich dann aber doch so viele kleine Dinge angehäuft, dass das Buch in meinen Augen nur Mittelmaß erreicht hat. Ich hasse mich ja selbst dafür, dass ich bei derart Büchern schon automatisch ohne es zu wollen Vergleiche zu Twilight ziehe. Ich will auch nicht die Autoren vergleichen oder Behauptungen von Abkupfern und dergleichen stellen. Trotzdem ist es einfach so, dass es viele Stellen gibt, bei denen ich während des Lesens nicht anders konnte, als mich an Twilight erinnert zu fühlen. Ohne böse Absicht. Gottseidank waren es keine gravierenden Stellen, denn der Hauptplot hat sich in eine andere Richtung entwickelt. Trotzdem waren da immer wieder Handlungen, die mir einfach zu ähnlich und ausgelutscht waren.
Auch wenn mich das jetzt nur persönlich betrifft, erwähne ich das, weil es ja einen Haufen von Leuten gibt, die Twilight und damit vielleicht auch eine Menge ähnlicher Bücher gelesen haben und sich dem gleichen Problem gegenüberstehen. Dann sollte man sich nämlich zweimal überlegen, ob man dieses Buch liest.

Es ist einfach wie der Vergleich mit Avatar und Pocahontas, nur dass sich dieser bei den Filmen leichter ignorieren lässt.

Der Schreibstil ist simpel gehalten. Keine komplizierten Beschreibungen etc. Ebenso die Dialoge, bei denen ich doch leider öfter mal das Gesicht verziehen musste, weil sie für meinen Geschmack zu wenig Originalität, Leidenschaft und Authentizität aufgeboten haben. Und an anderen Stellen war dann die “Leidenschaft” so heftig, dass man meinen könnte, der Autor hat zu sehr in den Schmalzpott gegriffen.

Und dennoch gab es auch wieder Augenblicke, die mir sehr gefallen haben, zum Beispiel Remys Situation mit ihrem Stiefvater. Ihre ganze Vergangenheit. Auch hier gebe ich zu, war ich mir nicht sicher, ob der Autor das Thema richtig angegangen ist, denn häusliche Gewalt ist nie einfach. Zuweilen hatte ich das Gefühl, dass Remy es zu leicht nimmt. Nach dem Lesen war ich dann aber fast doch davon überzeugt, dass Remys Vergangenheit sie gekennzeichnet hat, Gabe hin oder her. Was mich hier nur ein wenig gestört hat, war dass sie sich für meinen Geschmack seelisch zu schnell wieder aufgerappelt hat. Das will nicht heißen, dass ich sie mehr leiden hätte sehen wollen. Meinetwegen kann sie da schnell drüber wegkommen, aber dann muss der Autor das auch nachvollziehbar niederschreiben.

Das Buch hatte trotz seiner nicht allzu vielen Seiten wirklich seine Längen, in denen einfach nur ereignislose Dinge beschrieben wurden. Diese waren vielleicht wichtig, das Verhältnis zwischen Asher und Remy zu verdeutlichen/vertiefen. Das hätte man aber auch kürzer gestalten können, denn am Ende hat sich das meiste eh nur wiederholt und seine Intensität verloren.

Was ich auch sehr, sehr schade fand, war, dass bis auf Remy und Asher der Rest der Charaktere kaum ausgebaut wurde und farblos, stereotyp wirkte. Ihre Handlungen sind nicht wirklich nachvollziehbar, schablonenartig und besitzen kaum Tiefe. Dabei gibt es einige von ihnen, die wichtig genug sind, um nicht den stupiden Nebencharakter darzustellen. Das hat mich vor allem bei Remys neuer Familie gestört, die so herzensgut und freudig war, dass man es ihr kein bisschen abkaufen konnte. Mindestens einer aus dieser Familie hätte ein bisschen aus der Reihe tanzen müssen, um nicht das scheinheilige Image einer Bilderbuchfamilie darzustellen. Das gleiche gilt für die neuen Freunde und auch den Stiefvater, dem einfach die Rolle, des trinkenden, schlagenden Nichtsnutz wie er im Buche steht, aufgedrückt wird.

Jetzt beschreibe ich hier soviele negative Dinge, aber gelesen hab ich das Buch ja trotzdem bis zum Schluss. Was also hat mir gefallen? Die Idee.
Auch wenn ich den Sinn und Zweck beider “Seiten” in der Welt nicht ganz erfassen konnte, so fand ich die Idee wirklich recht angenehm. Zwar leider nicht auf eine neue Weise umgesetzt, aber dennoch interessant genug, mich am Lesen zu halten. Teils gab es diesbezüglich wirklich ein paar schöne Stellen, die dem Plot einen Hauch Einzigartigkeit gegeben haben und genau das ist auch der Grund, warum ich kurzzeitig in Erwägung gezogen hatte, dem Buch 4 Sterne zu geben.

Fazit: Ein weiteres Buch, dass sich mühelos in die Masse der Highschool-Fantasy-Romane einreiht, die momentan den Markt überfluten, ohne wirklich herauszustechen, denn das Basisgerüst ist das gleiche und zieht sich auch hier durch das gesamte Buch.

  • Twitter
  • Facebook

Gebannt. Unter fremdem Himmel – Veronica Rossi

Letztendlich tatsächlich noch überrascht!

(Rezension vom 11. März 2012)
4 von 5 Sternen

Ich habe mir anfangs dieses Buch ausgesucht, weil mir die Zusammenfassung sehr gefallen hat und ich gerne Dystopien lese. Auch das Cover war sehr ansprechend und in meinen Augen im Gegensatz zu den amerikanischen Covern das Hübschere. Vor allem aber bemerkt man hinterher den Zusammenhang des türkisen Feuers um das “A” herum und was die Flammen darstellen sollen.

Als ich dann angefangen habe zu lesen, muss ich gestehen, war ich von den ersten 100 Seiten eher weniger angetan. Die Geschichte kam nur langsam voran und hat mich wenig gefesselt. Es gab am Anfang nur eine Szene, in der ein bisschen Spannung aufgetaucht ist, aber an dieser Stelle will ich nicht zu viel verraten.

Was ich urspünglich als Wackelpunkt in meiner Bewertung angesehen hatte, hat sich schnell als positiver Punkt herausgestellt. Bereits am Anfang kann man durch den abwechselnden Sichtwechsel der beiden Hauptprotagonisten ihre unterschiedliche Lebensweise erkennen. Die Autorin schreibt beide Sichten mit authentischen Gefühlen. Anfangs hatte mich das schlicht irritiert, vor allem der männliche Part, der doch eine ganz andere Gedankenformulierung und Beschreibung der Dinge hatte.

Die Welt der “Siedler” war für mich schlicht irgendwie unerreichbar, sprich wurde ich mit ihr nicht warm. Jetzt im Nachhinein überlege ich, ob das vielleicht Absicht der Autorin war (auf jeden Fall kam sie mir trotz der Schlichtheit an sich im Ganzen mit all seinen Kleinigkeiten irgendwie überfüllt übertrieben vor und ich musste ständig an leuchtendbuntes Plastik denken). Da aber der größte Teil des Anfangs in der Welt der “Siedler” spielt, könnte das auch ein Grund gewesen sein, warum ich die ersten 100 Seiten nur schwer überwinden konnte. Schön fand ich hier dann aber wieder auch, wie die Autorin viele kleine Dinge beachtet hat, wie zB die Vorurteile beider Seiten. Ich musste auch jedes Mal die Stirn runzeln, wenn Aria etwas als nicht normal oder steinzeitähnlich bezeichnet hat, was ja selbst für uns Leser normal ist. Das waren schöne Sachen, um die Andersartikeit von Arias Welt darzustellen.
Nach und nach, als die Geschichte an Fahrt gewonnen hat, habe ich auch mehr Sympathie für die Charaktere entwickelt. Und ein Hauptgrund, warum ich dann letztendlich doch regelrecht “gebannt” war, liegt vor allem daran, dass sich der Rest der Handlung in der realen Welt/Wildnis abspielt. Damit konnte ich mich mehr identifizieren, alles war greifbarer und man hat als Leser eine Verbindung aufgebaut hab. Dazu kommt, dass das gemeinsame Interagieren der Hauptcharaktere von Seite zu Seite interessanter und spannender wurde. Vor allem, wenn man nach und nach mehr über Aria erfährt. Sie und Perry harmonieren pefekt miteinander.
Auch ist die ganze Welt mit ihren Ätherströmen, den Stämmen, den Gefahren, den “Gaben” reichlich interessant gestaltet, ohne überfüllt an Fantasyelementen zu wirken. In diesem Sinne muss ich meinen Vorrednern auch recht geben, die Dystopie an sich liest sich aber tatsächlich wie Fantasy. Allerdings ist das zur Abwechslung mal erfrischend.

Hin und wieder gab es kleine Dinge, die ich nicht ganz so nachvollziehen konnte. Bsp-weise hat Aria irgendwann in der ersten Hälfte einen Wutausbruch wegen einer Offenbarung Perrys. Auf der einen Seite fand ich es gerechtfertigt, dass sie deshalb wütend geworden ist, auf der anderen Seite konnte ich es dann doch nicht ganz so nachvollziehen. Es wirkte einfach leicht überzogen.

Was mich anfangs gestört hat, auf das ich später aber immer sehnsüchtig gewartet habe, sind die Perspektivenwechsel. Zu Beginn war ich der Auffassung, dass es besser gewesen wäre, nur aus einer Sicht zu lesen, um genau wie die Hauptakteurin die neue Welt nach und nach kennenzulernen. Generell habe ich es eigentlich lieber, wenn Bücher nur aus einer Pespektive geschrieben sind. Mir hatte dieser Wechsel einfach zu viel von “der anderen Seite” erklärt. Letzten Endes habe ich es aber willkommen geheißen, weil ich dadurch besser Anschluss zu Perrys Welt bekommen habe. Und weil es einige Verläufe gab, die man als Leser einfach wissen musste, aber nur aus Arias Sicht einfach nicht erfahren hätte können.
Schade allerdings ist, dass durch diesen Perspektivenwechsel ein bisschen der Zeitpunkt übersprungen wird, an dem aus “nicht leiden können” und “fass mich nicht an, Barbar” zwischen Aria und Perry das “mögen und mehr” wird (oder ich habe diesen Teil einfach zu schnell überlesen).

Letzten Endes ist zu sagen, dass mich dieses Buch wirklich überzeugt hat. Habe ich “Gebannt” anfangs wenig Chancen eingeräumt, so bin ich froh bzw glücklich, dass es mich doch noch so überraschen konnte. Zwar bleiben noch einige Dinge ungelöst bezüglich der gravierenden geschichtlichen Geschehnisse in der Vergangenheit, aber da hoffe ich einfach, dass das in den Folgebänden noch erklärt wird.

Manko ist jetzt eigentlich nur noch, dass der 2. Band leider erst nächstes Jahr kommt (und ich dummerweise erst hinterher gesehen habe, dass es eine Trilogie ist).

  • Twitter
  • Facebook